Stefan Fritschi
duelliert sich gegen Kaspar Bopp um das Amt des Stadtpräsidenten.
Die erste Auflage der gestern eröffneten 50. Musikfestwochen war im Oktober bis Dezember 1976 eine Serie von Samstagskonzerten lokaler Bands.
Musikfestwochen Am Mittwoch starteten die 50. Winterthurer Musikfestwochen (MFW). Die «Winterthurer Zeitung» traf mit Markus Hodel und Marcel Strassburger zwei Persönlichkeiten, die den Anfang des schweizweit ersten AltstadtMusikfestivals entscheidend mitprägten. Die ersten Musikfestwochen gingen 1976 im einstigen Musiklokal «Africana» in der Neustadtgasse über die Bühne. In den späten 60er-, anfangs 70er-Jahren galt das «Africana» zusammen mit dem gegenüberliegenden «Neustadt» und dem «Rebstock» als berüchtigte Partymeile der Stadt. «Einige unserer Gymnasiallehrer führten eine schwarze Liste mit denjenigen, die in diesem Milieu verkehrten, wir waren beide markiert und wurden zu Einzelgesprächen eingeladen», lacht Marcel Strassburger. «Marcel und mich verbindet nicht nur, dass wir im Gymi Banknachbarn waren», weiss Markus Hodel und deutet auf Wohnungen gegenüber dem einstigen «Africana» hin. Er und Strassburger hatten dort unweit von einander entfernt ihre separaten Studentenwohnungen, sie spielten einst auch zusammen Handball bei Yellow und eben: Sie zählten zu den Musikfestwochenpionieren. Während Hodel im Frühling 1976 mit Musikkollege Daniel Schlatter im Restaurant «zum Wilden Mann» am Obertor in einer lustigen Bierrunde eine erste Vision eines Musikfestivals in der Winterthurer Altstadt ausheckte. die beiden gelten auch deshalb als MFW-Gründer – war Strassburger zuerst als Berichterstatter, später im Vorstand dabei. 1981 ersetzte er Markus Hodel temporär als Musikfestwochen-Präsident.
Mit einem Budget von gerademal 1500 Franken und Konzerten mit lokalen Bands an neun Samstagabenden auf einer kleinen Bühne im legendären Musik-Club Africana starteten vor 49 Jahren die ersten Musikfestwochen. Die Idee der beiden Musikerkollegen entstammte einem Höck im «zum Wilden Mann» im Frühling desselben Jahres. «Wir wollten der lokalen Musikszene eine passende Plattform bieten. Das ‹Africana› hatte sich bereits zuvor als Konzert Location bewährt», erinnert sich Markus Hodel. «Und dies, obwohl die Alkoholpatente der Stadt damals begrenzt waren und man im ‹Africana› deshalb nicht einmal ein Bier erhielt», lacht Marcel Strassburger. Er hatte sich damals bereits zuvor einen Namen als Konzert-Berichterstatter gemacht, weshalb er in dieser Funktion auch gerne das erste Musikfestival seines Schulfreundes Hodel journalistisch begleitete. Zu den neun Konzerten zählte mit unter auch ein Auftritt der Rock Vereinigung Winterthur mit Markus Hodel als Frontsänger.
Laut Hodel erhielt die Konzertreihe ihren Brand in Anlehnung an die Luzerner Musikfestwochen. «Diese waren der ruhigen, klassischen Musik gewidmet,wir aber verschrieben uns dem lauten Rock und Blues – Kontrast pur», sagt Hodel mit einem Augenzwinkern. Die Premiere gelang, die Konzerte kamen an. Um die zweite Auflage auch organisatorisch breiter abzustützen, wurde der bis heute bestehende Verein ‹Winterthurer Musikfestwochen› mit Markus Hodel als erstem Präsidenten gegründet. In den darauffolgenden Jahren trat auch Marcel Strassburger dem Vorstand in der Funktion des Medienchefs bei. 1981 ersetzte er Hodel temporär als Präsident, da dieser im Begriff war, wie zuvor bereits Strassburger, sein Jurastudium abzuschliessen. Zu jenem Zeitpunkt hatten sich die Musikfestwochen längst in der Steibi etabliert. Sie lockten als schweizweit erstes Altstadtfestival – und damit alsVorgänger etwa von «Moon & Stars» in Locarno oder «Stars in Town» in Schaffhausen – dank vielen Top-Acts wie Krokus, Joe Mc Donald, The Boom town Rats, Miriam Makeba, Rory Gallagher und einmaligem Ambiente viel musikbegeistertes Publikum in die Winterthurer Innenstadt.
Längst vergessen waren da die Anfangsschwierigkeiten mit einem finanziellen Desaster gleich nach der zweiten Auflage. Markus Hodel erinnert sich: «Nach der Premiere im ‹Africana› wollten wir uns in der ganzen Altstadt ausweiten mit Bühnen und Darbietungen auf dem Kirchplatz, im Graben und an weiteren Standorten. Es sollte ein Musikfest für alle Geschmäcker werden, was grundsätzlich auch gelang. Finanziell ging dies aber nicht auf, mit einem Verlust von über 10'000 Franken zogen wir einen grösseren Schuh heraus.» Die Winterthurer Musikfestwochen wären wohl bereits wie der Geschichte gewesen, hätte sich nicht der damalige Stadtpräsident Urs Widmer grosszügig eingesetzt, einen Teil der Schulden durch die Stadtkasse getilgt und sich zusammen mit Polizeistadtrat Othmar Hüssy dafür eingesetzt, dass mit der bewilligten Grossbühne auf der Steinberggasse die 3. Winterthurer Musikfestwochen auf ein neues, richtungsweisendes Fundament gestellt werden konnten. «Zwar gingen wir in den darauffolgenden Jahren mit dem Engagement von Weltstars grosse Risiken ein, dadurch, dass die Hauptkonzerte auf der Steibi nun aber kostenpflichtig waren und jeweils bis 6500 Musikfreaks anzogen, ging die Rechnung auf», erinnert sich Markus Hodel. Die Musikfestwochen bestanden aber längst nicht nur aus den kostenpflichtigen Hauptacts. Viele aufkommende Bands aus der lokalen, aber auch schweizweiten Szene erhielten etwa auf dem Kirchplatz ihre Bühne. Plattform nicht nur für Musiker «Anders als heute war unser ganzer Vorstand auch für das Musikprogramm auf der Hauptbühne zuständig, was sich auf einer sehr breiten Vielfalt an Musikstilen und Bands niederschlug, sicher ein wichtiger Bestandteil unseres Erfolgsrezepts», weiss Marcel Strassburger. Neben den Musikern erhielten aber auch andere Künstler ihre Plattform. So lancierte etwa die Varieté Theatergruppe Karl's kühne Gassenschau an den Musikfestwochen 1984 ihre bis heute andauernden, erfolgreichen Produktionen.
Während Marcel Strassburger sich nach seinem Präsidialjahr aus dem Vorstand zurückgezogen hatte, amtete danach Markus Hodel bis 1985 als Musikfestwochen-Präsident weiter. Der Pioniergeist verband die beiden Freunde aber weiterhin. So lancierten sie kurze Zeit später zusammen mit Kinobesitzer Hanspeter Sigg das schweizweit erste Openairkino im Neumarkt. Sie besuchten aber auch zusammen ab und zu Konzerte an den Musikfestwochen. «Irgendwann sind wir in den letzten Jahren der Musikfestwochen-Zielgruppe etwas entwachsen, unsere Musik wird zumindest auf der Hauptbühne in der Steibi kaum mehr gespielt. Das ist aber kein Vorwurf gegenüber den aktuellen Musikfestwochen-Machern», sagen die beiden übereinstimmend.
Sie freuten sich, als sie am Donnerstagabend, 7. August, aus Anlass des 50. Festivals alle bisherigen Präsidenten – also ihre Nachfolger – trafen. Auch da hatten Strassburger und Hodel persönliche Anekdoten von Begegnungen mit Grössen wie Rory Gallagher oder Herbert Grönemeyer zu erzählen. Oder von lebensmüden Zuschauern, die über die Altstadtdächer stiegen, um Eintrittsgelder zu sparen und von anfänglichen Auseinandersetzungen mit Gegnern der Musikfestwochen. Genauso durften berühmte Geschichten wie etwa die Hausfassadenkletterei mit anschliessendem Wohnungseinbruch des Tote-Hosen-Frontmanns Campino nicht fehlen und hatten bereits die neusten Storys der 50. Ausgabe die Runde gemacht.
George Stutz
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