Sarina Molinari
hat eine innige Beziehung zu den Songs von ABBA.
Gratis mit Begleitung ins Museum, die Ausstellung geniessen, dazu eine Geschichte schreiben samt Selfie – das ist die Idee von «Tandem im Museum».
Museumsgenuss Sabine Meisel ist heute auf Mission als Freiwillige für das Projekt «Tandem imMuseum». Sie redet schnell, und ihre Begeisterung ist ansteckend, als sie bei einem Gespräch im Café des Gewerbemuseums über ihre Erfahrungen berichtet. «Als ‹TiMerin› musst du vier Mal pro Jahr einen anderen Menschen motivieren, mit dir ins Museum zu gehen und dieses gemeinsame Erleben zu posten», sagt sie. Meisel hat nach eigenen Angaben einen Master of Arts in Biografisch-Kreativem Schreiben in Berlin sowie einDiplom in Sozialarbeit in Freiburg absolviert. Sie ist Autorin, Schreibcoach und lädt für ihre Schreibkurse «Kunst küsst Worte wach» ins Kunst Museum Winterthur ein. Dadurch kam die Zusammenarbeit als «TiMerin» zustande.
«Ich stelle fest,dass das Publikum von der reinen Kunstbetrachtung wegkommt und Lust hat, ins Tun zu gehen», sagt Meisel. Zur Frage, ob Museumsbesuche heutzutage mehr Spass machen würden, sagt sie: «Ja, das würde ich unterschreiben. Die Menschen möchten nicht mehr nur konsumieren», so Meisel. «Die Besuche sind ein voller Erfolg», sagt sie. «Ich guck halt, wo ich im Museum andocken kann.» Sie frage dann beim Besuch, welches Bild gefällt. «Das Werk, das uns anspricht, ist oft mit Erinnerungen verknüpft. »
Das Angebot richtet sich an alle Personen, auch ohne Vorbildung. Ihre Begleitpersonen hätten zu Beginn oft Bedenken: «Ich habe doch keine Ahnung.» Hier relativiert Meisel vehement: «Man muss auch keine Ahnung haben. Ich sage immer: ich habe keine Ahnung, aber Augen und Empfindungen! » Es gehe darum, was einen berühre. «Jeder hat eine andere Wahrnehmung. Grad das ist spannend.»
Zum Besuch gehört auch, ein Selfie mit einem Kunstobjekt zu machen und einen kleinen Text zu schreiben. Diese Geschichten werden dann auf «Musee Imaginaire Suisse » gepostet. Die erste Reaktion sei oft: «Das kann ich doch nicht.» Hier kommt die TiMerin ins Spiel: «Ich ermuntere die Leute, ihr Museumserlebnis in Worte zu fassen.» Das könne etwas ganz Kleines sein. «Die Leute sind jeweils stolz, dass sie eine Geschichte geschrieben haben», sagt Meisel. In Winterthur ist dies im Kunstmuseum, in der Sammlung Oskar Reinhart, im Münzkabinett und im Gewerbemuseum, in der Region im Heimatmuseum Elgg und auf der Kyburg, möglich.
«Wir sind schon sehr früh eine Kooperation mit «TiM – Tandem im Museum» eingegangen und freuen uns zu sehen, wie diese Gemeinschaft stetig grösser wird. Es ist ein Vergnügen, die Begegnungen im Museum zu beobachten und immer wieder auf der Website in den vielfältigen Geschichten zu stöbern – ein absolut erfolgreiches Projekt! », sagt Susanna Kumschick, Direktorin des Gewerbemuseum Winterthur.
Laut Cécile Schwinghammer, TiM-Regio- Verantwortliche Winterthur, entstand die Idee aus dem 2013 vom Migros- Kulturprozent konzipierten Projekt«GiM–Generationen im Museum» unter der Leitung von Franzisika Dürr, während der Corona- Zeit. Zu dieser Zeit waren keine Führungen mehr möglich. Daraus entstand 2020 das Projekt Tandem im Museum, das aber nicht mehr nur an Generationen gebunden ist. TiM ist heute über Stiftungen finanziert. Schwinghammer vermittelt zwischen Museen, TiM-FreiwilligenundBesuchern in Winterthur und der Region. «Hier entstehen jährlich rund 300 bis 500 Geschichten», sagt sie. NeuhatTiM schweizweitdasProjekt «60plus» ins Leben gerufen. «Damit nehmen wir in Winterthur eine Pionierrolle ein.» Zuerst sei es darum gegangen, in einer Institution, einen Verantwortlichen zu begeistern. «Dies gelang erfolgreich mit dem Tertianium Gartenhof sowiedemSeniorenzentrum Wiesengrund. » Darauf finden monatlich Museumsbesuche in verschiedenen Museen statt.
«Für unsere Tertianum-Gäste war es jeweils ein besonderes Erlebnis, mit dem Stadtbus einen Ausflug zu machen», sagt Nenad Kragic, Geschäftsführer des Tertianums Gartenhof Winterthur. «Wir waren letztes Jahr von März bis Dezember jeden Monat mit unseren Gästen im Museum.» Damit die «TiMerinnen » wussten, wie sie mit pflegebedürftigenMenschenumgehensollen, wurdensie durch das Tertianum geschult. Er sei als Geschäftsführer höchstpersönlich bei jedem Besuch dabei gewesen, ebenso waren Fachpersonen der Aktivierung und der Pflege mit dabei. «Durch die Betrachtung der Kunstobjekte erzählen die Seniorinnen und Senioren von früher, dabei entstehen schöne TiM-Geschichten.» Die Museumsbesuche seien für die Tertianum-Gäste eine grosse Bereicherung. «Die Lebensfreude kehrte bei vielen zurück», sagt Kragic. Beim Projekt «Blütenzeit» in Zusammenarbeit mit dem Kunst Museum Winterthur, der Villa Flora, durften Tertianum-Bewohnende sich von den Blumenbildern der Vallotton- Ausstellung inspirieren lassen und ihre Lieblingsblume aussuchen. Diese wurden danach in realer Form von den freiwilligen Gärtnerinnen der Villa Flora organisiert, worauf die Tertianum-Bewohnenden diese Blumen im historischen Garten der Villa Flora Blumen pflanzten. Ein Erblühen im wahrsten Sinn des Wortes.
Claudia Naef Binz
www.tim-tam.ch
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